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News, Interviews & Insights vom Jugendmedienfestival 2021

Die Stimme aus der Kindheit: Susanna Bonaséwicz im Portrait

von: Sonja Kowallek

Was haben Bibi Blocksberg, Prinzessin Leia und Fran Dreschers „Nanny“ gemeinsam? Wem auf diese Frage keine Antwort einfällt, der sollte am besten ganz genau hinhören. 

Denn was diese drei Charaktere verbindet, ist – zumindest in Deutschland – ihre Stimme! Dahinter steckt Susanna Bonaséwicz, die beim Jugendmedienfestival (JMF) 2021 den jungen medieninteressierten Gästen Rede und Antwort stand und dabei besonders durch ihre Bodenständigkeit bestach.

Bonaséwicz, 1955 in West-Berlin geboren, ist als Schauspielerin, Synchron- und Hörspielsprecherin, sowie als Synchronregisseurin und Dialogbuchautorin tätig. Schon mit fünf Jahren stand sie zum ersten Mal für den Film „… denn das Weib ist schwach“ vor der Kamera. An die Arbeit mit Sonja Ziemann, die in dem Streifen ihre Mutter spielt, denkt sie sehr gerne zurück. „Ich habe sogar noch einzelne Bilder aus der Zeit im Kopf“, sagt Bonaséwicz und man merkt ihr an, dass es diese Erfahrung war, die sie nachhaltig für das Schauspiel begeistert hat. Die damals geweckte Leidenschaft hat sie dazu bewegt, entgegen dem Wunsch ihres Vaters nichts „Anständiges“ zu lernen, sondern im Anschluss an ihren Schulabschluss sofort ihre Schauspielkarriere zu beginnen. Nach einer privaten Schauspielausbildung bei Marlise Ludwig, die unter anderem auch Klaus Kinsky und Dieter Hallervorden unterrichtete, führte ihr Weg Bonaséwicz schnell in Richtung Synchronisation und Hörspiel. Eines ihrer ersten Engagements in diesem Bereich war die Synchronisation von Isabelle Huppert in „Die Spitzenklöpplerin“ (1978). Darauf folgten Rollen wie Leia Organa in der „Star Wars“-Reihe (1977 bis 2017) oder Fran Fine in „Die Nanny“ (1993 bis 1999), welche auch den jungen Medienschaffenden beim JMF ein Begriff sind. Die letztgenannte Rolle empfand Bonaséwicz als besonders spannend und bereichernd. Sie betont, wie unterschiedlich sie und die laute, quirlige Fran sind und wie sehr sie beim Synchronisieren aus sich herausgehen konnte. „Das ist genau das, was man sich als Schauspielerin wünscht“, bringt es die Sprecherin auf den Punkt.

Besonders bekannt ist Bonaséwicz gerade bei jungen Menschen durch ihre Rolle als Bibi Blocksberg, der sie seit über 40 Jahren in der gleichnamigen Hörspielserie ihre Stimme leiht. Viele Teilnehmende des JMF verbinden Hörspiele mit der Kindheit. Daher sind es auch vor allem Kinder, die Bonaséwicz oft an ihrer Stimme erkennen. Bibi und sie sind inzwischen fest miteinander verbunden, sodass sie im Tonstudio für ein neues Hörspiel einfach drauflos sprechen kann. „Auf Bibi muss ich mich nicht mehr einstellen“, meint sie lächelnd.

So kann die heute 65-Jährige auf einen langen Werdegang im künstlerischen Bereich zurückblicken. Aber die gewisse Exzentrik, die man vielen Schauspielern – und einigen sicher auch zu Recht – nachsagt, legt Bonaséwicz nicht an den Tag. Sie überzeugt im Gespräch mit den Teilnehmenden besonders durch ihre Natürlichkeit, Freundlichkeit und ihre Bereitschaft, den jungen Menschen alle Fragen zu Themen wie Synchronisation oder Dialogregie sowie zur Karriere in diesen Bereichen zu beantworten. Nur einen ultimativen Tipp gegen Lampenfieber hat sie nicht. „Beim Theater war mir früher vor Auftritten immer ganz übel“, berichtet sie lachend. Vor dem Mikro habe sie jedoch nie Angst gehabt. Und inzwischen hat sich die Aufregung vor Publikum natürlich auch gelegt.

Zum Schluss bedauert Susanna Bonaséwicz, die JMF-Teilnehmenden nur digital treffen zu können, und erklärt, dass sie gerne auch im nächsten Jahr wieder vorbeischauen würde. Im Rückblick auf das kurzweilige und interessante Gespräch mit ihr ist nur noch hinzuzufügen, dass wir sie sehr gerne wieder beim Jugendmedienfestival begrüßen!